Jessica und die Odenwaldbande
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Traktoren repariert hatte. Mehr und mehr hatte er jedoch dem Alkohol zugesprochen und so war ihm die Erbschaft zuerst sehr genehm geworden. Er eröffnete die Kneipe wieder, aber da er nie im Leben ein Geschäftsmann gewesen und in seiner Kneipe stets sein bester Gast war, ging das bereits nach kurzer Zeit schief. Man nannte ihn im Dorf nur noch den „Dudelmoser“, weil er gern einen dudelte, sprich weil er gerne ausgiebig zechte.

Auch war der Versuch kläglich gescheitert, seine kleine Kneipe in ein Strip-Lokal zu verwandeln und die Fremdenzimmer stundenweise den Damen, die hier arbeiten sollten, zu vermieten. Sicherlich hätte diese Örtlichkeit zu einem Geheimtipp werden können, aber Moser hatte nicht bedacht, dass diese Art Gewerbe von Platzhirschen kontrolliert wird, die ihr Revier verteidigen.

Als er die Gaststätte überschuldet wieder schließen musste, wollte er aber auch nicht mehr in seinen alten Beruf zurück, denn er hatte sich daran gewöhnt, erst zu Mittag aufzustehen und dann die Nächte durchzechen zu können. Außerdem hatte ein anderer seine Stelle in der Werkstatt eingenommen, der seine Arbeit gut machte, sodass eine Rückkehr dorthin nicht mehr möglich war. So entschloss sich schließlich, das Anwesen zu verkaufen und er rechnete sich aus, was er dafür erzielen könnte oder müsste, um den Rest seines Lebens sorgenfrei zu leben. Er hatte tatsächlich ein Angebot bekommen und dieses stammte von einem der „Platzhirsche des horizontalen Gewerbes“, doch für Moser war dieses Angebot zu wenig. „Das ist doch eine Goldgrube“ hatte er dem Bewerber gesagt und lies all die Argumente nicht gelten, dass in die alte Kneipe zuerst investiert werden müsste. So schlug er das Angebot aus und machte die Kneipe schließlich dicht, nachdem er von der Brauerei kein Bier mehr bekommen hatte, weil er seine Rechnungen nicht mehr zahlen konnte.
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