Jessica und die Odenwaldbande
Leseprobe


Natascha, so hieß die junge Frau, war Mitte zwanzig, war kaum 1,60 Meter groß und hatte eine eher zierliche Figur. Da ihre Vorfahren tatsächlich aus Russland eingewandert waren, sprach sie auch fließend russisch, doch wenn sie deutsch sprach, hörte man bei ihr keinen Akzent heraus. Schließlich war sie hier geboren, war in den Kindergarten und in die Schule gegangen und hatte erfolgreich eine Banklehre absolviert. Sie war dann jedoch nicht bei der Bank geblieben, da sie einen Mann kennen lernte, der eine kleine Firma gegründet hatte, die sich auf Im- und Exporte aus dem russischsprachigen Raum spezialisiert hatte.

Am Anfang war es für sie ein Quantensprung gewesen, von der einfachen Bankangestellten zur Chefin aufzusteigen, aber Natascha war ehrgeizig genug gewesen, diese Heraufforderung anzunehmen. Überhaupt hatte sie die Gnade, schnell zu begreifen, was unheimlich hilfreich war, wenn es galt, neue Herausforderungen anzupacken. So war der Einstieg von Natascha in die Firma ein Volltreffer und die Firma konnte bald schon als Expansion denken.

Doch während sie sich nach einer gewissen Anlaufzeit zunächst sehr gut in ihrer neuen Rolle als Geschäftsfrau gefiel, so merkte sie schon nach einigen Monaten, dass der Ehrgeiz, beruflich Karriere zu machen, auch seinen Preis hatte. Zwar reizte sie ihre Arbeit dahingehend, dass sie immer das Gefühl hatte, etwas schaffen, etwas aufbauen zu können. Den Druck aber, ständig Höchstleistung bringen zu müssen, empfand sie mehr und mehr unerträglich.

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