Jessica und die Odenwaldbande
Leseprobe


Jessica war sich selbst nicht sicher, was sie davon halten solle. Das roch so stark nach Betrug im Internet, denn sie kannte die Masche schon zur Genüge. In ihrem Blog hatte sie darüber schon zwei Artikel veröffentlicht und wusste, dass diese Masche bei Betrügern sehr beliebt sei, denn sie bot zwei entscheidende Vorteile: Erstens stehen die potentiellen Opfer unter Zeitdruck, weil sie wissen, dass eine Ferienwohnung sehr schnell vergeben sein kann und zweitens werden diese den Betrug erst in einem halben Jahr oder noch später merken, wenn sie den Urlaub antreten wollen und es keine Ferienwohnung gibt.

Jessica stand jetzt vor dem Problem, welches man generell bei solchen Angelegenheiten hat: Man weiß etwas erst sicher, wenn der Schaden eingetreten und es dann zu spät ist. Schließlich gab es auch einige Gründe dafür, dass Joana Recht haben und dies tatsächlich ihre Chance sein könnte, beruflich einen anderen Weg einzuschlagen. Aber andererseits erschienen die Sachverhalte Jessica so typisch für Betrüger im Internet, dass sie sich eigentlich schon sicher war, dass Joana gerade dabei war, sich in ihr Unglück zu stürzen.

„Und Du bist Dir sicher, dass das eine seriöse Sache ist?“, fragte Jessica und tat so, als sei sie plötzlich auch daran interessiert. Joana nickte. „Bin ich, absolut“, antwortete sie. „Glaubst Du, dass ich hier vielleicht auch noch einsteigen könnte“, fragte Jessica nach. Joana war zuversichtlich, dass dies möglich sei und bot an, dass sie den Lukas mal fragen könnte. Sie zögerte nicht lange und nahm ihr Smartphone aus der Tasche, um ihn anzurufen, doch Lukas war offenbar nicht erreichbar. „Ich frage ihn später und gebe Dir dann Bescheid“, sagte Joana, womit Jessica gleich einverstanden war, denn so hatte sie immerhin Zeit, sich eine geeignete Strategie zu überlegen.

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