Jessica und die Odenwaldbande
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Es war Jessica gewesen, die hinter ihm gestanden hatte und da sie ziemlich die letzten Kunden gewesen waren, trafen sie sich auf dem fast leeren Parkplatz wieder. „Ich finde das toll, wie Sie mit Ihrer Kundschaft umgehen. Erinnern Sie sich, ich war mit meiner Cousine wegen des Hundewelpenfalls bei Ihnen?“ Das Kompliment tat Krause angesichts der Ereignisse des Nachmittags sichtlich gut und sehr schnell hatte er sich auch an Jessica erinnert, die dann noch eine weitere Bemerkung machte, die für Krause noch mehr Balsam für seine angeschlagene Seele war: „Sie sind kein gewöhnlicher Polizist, aber gut, dass es Sie gibt.“

Krause wusste nicht, was er ihr antworten sollte, sodass ihm schließlich nur ein „Danke für das Kompliment“ über die Lippen kam. Jessica spürte plötzlich, dass die Situation sehr günstig war, ihn jetzt und hier darauf anzusprechen, ob er ihr nicht mehr über Cybercrime berichten könne. „Ich möchte davon noch mehr erfahren, hätten Sie Lust, mit mir ein Bier trinken zu gehen?“, hörte sie sich selbst sagen und war gleichzeitig erstaunt, dass sie sich das getraut hatte. Doch auch Krause wusste nicht, wie ihm geschah. Vor wenigen Minuten war er noch in einer tiefen Depression aufgrund der Aussagen seines Chefs und nun lud ihn eine gutaussehende junge Frau, die vom Alter her seine Tochter sein könnte, zu einem Bier ein. „Gerne“ antwortete er, „wann haben Sie Zeit?“ Jessica war über die Antwort sehr froh und erwiderte: „Wie wär’s mit heute Abend, ich bin frei.“ – „Ich auch“ erwiderte Krause.

Jessica hatte ihren Roller noch nach Hause gefahren und war dann in das Auto von Krause gestiegen, der ihr verabredungsgemäß gefolgt war. „Sie können mich gerne duzen, ich heiße Jessica, aber meine Freunde sagen Jessi“ eröffnete diese das Gespräch, als sie von dort wieder losgefahren waren. „Nur, wenn wir uns beide duzen, alle nennen mich nur Krause, darauf reagiere ich am besten“ entgegnete er. „Einverstanden, Krause, wohin fahren wir?“ – „Mach Du einen Vorschlag, Jessi.“ war seine Antwort. „Ich kenne gute Kneipen in Heidelberg, wo ich studiert hatte. Wäre es zuviel verlangt, wenn wir dorthin fahren würden?“ Krause schüttelte den Kopf. „Kein Problem, ich lasse mich gerne überraschen.“ Und so war dazu gekommen, dass das ungleiche Paar ihr erstes Date hatte, auch wenn es nur wegen Cybercrime dazu gekommen war, oder nicht?
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